Die Weltersburger Feuerwehr im Mai 2017 


 

...ein paar Sätze zur Geschichte der Wehr  (von Andreas Dasbach, so wie Auszüge aus "Beiträge zur Ortsgeschichte von Weltersburg" von Jürgen Gläser)     

Seit der Mensch gelernt hat, sich das Feuer nutzbar zu machen, trifft er Vorkehrungen, um sich vor dessen Gefahren zu schützen. Der im Laufe der Jahrhunderte stetig verbesserte vorbeugende Brandschutz konnte jedoch nicht verhindern, dass es bis ins 19. Jahrhundert immer wieder zu verheerenden Bränden kam. Weltersburg wurde kurz vor 1664 von einer solchen Brandkatastrophe heimgesucht. Der größere Teil des Dorfes mitsamt der noch strohgedeckten Kapelle fiel dem Feuer zum Opfer. Vermutlich sind nur die in der Untergasse gelegenen Häuser und die Scheunen vor dem Dorf verschont geblieben. Da es in der damaligen Zeit noch keine Brandversicherung gab, standen viele Familien vor dem Ruin. Beim Wiederaufbau war man auf die Unterstützung von Nachbarn und der Obrigkeit angewiesen. Erst im 19. Jahrhundert wurde in den Dörfern unserer Umgebung eine Brandversicherung eingeführt. Jeder Hausbesitzer hatte entsprechend dem Schätzwert seines Hauses jährlich eine Versicherungssumme zu zahlen. Im Weltersburger Brandkataster von 1856 waren insgesamt 39 Anwesen (80 Gebäude) mit einer Gesamtsumme von 40.730 Gulden (darunter das "Brambacher Schloss" mit 13.600 Gulden) versichert. Eine Grundausstattung an Feuerlöschgeräten, darunter auch eine Feuerspritze, dürfte damals bereits vorhanden gewesen sein. 1828 wird im Gebäudeverzeichnis von Weltersburg ein aus Stein erbautes, mit Schiefern gedecktes Spritzenhaus erwähnt, das vermutlich an der Stelle des 1938 erbauten Feuerwehrgerätehauses (heute Bauhof) stand. Im Brandkataster von 1859 findet dieses Gebäude keine Erwähnung mehr. Es ist zu vermuten, dass es damals bereits abgetragen war, da die Feuerlöschgeräte in der Folgezeit im Gemeindebackhaus aufbewahrt wurden. 1853 wird ein Gemeindebrandleiternhaus erwähnt, das seinen Standort unmittelbar vor dem alten Feuerwehrgerätehaus hatte. Dabei handelte es sich um eine ca. drei Meter lange, überdachte Aufhängevorrichtung für Feuerleitern und Feuerhaken. Das Mobilienverzeichnis von 1894 nennt an Feuerlöschgerätschaften drei Feuerleitern, 32 Feuereimer und 4 Feuerhaken. In der Folgezeit verfügte die Gemeinde über einen einachsigen hölzernen Schlauchwagen, der bis heute vorhanden ist.  

Für die Löschwasserversorgung standen in alter Zeit der Dorfbrunnen (heute Standort des Ehrenmals für die Gefallenen der beiden Weltkriege) und ab 1865 ein weiterer Ziehbrunnen vor dem Dorf zur Verfügung. Um im wasserarmen Weltersburg einen zusätzlichen Vorrat an Löschwasser bereithalten zu können, wurde in nassauischer Zeit in der Untergasse ein Brandweiher von ca. drei mal vier Metern angelegt. Nach dem Bau der Wasserleitung im Jahr 1912 wurde der Brandweiher überflüssig und in den Folgejahren abgetragen. Bis Mitte der 1920er Jahre verschwanden die für das Dorf bis dahin charakteristischen Strohdächer. Lediglich ein Teil der Scheunen war noch bis in die Nachkriegszeit strohgedeckt. Mit der Elektrifizierung in den 1930er Jahren und der damit verbundenen Ablösung von Kerze und Petroleumlampe als Lichtquelle wurde eine der traditionellen Brandgefahren beseitigt.   


Am 17.01.1938 beantragte die Gemeinde den Neubau eines Feuerwehrgerätehauses, das noch im gleichen Jahr errichtet wurde. Es handelt sich um das heute von der Gemeinde als Bauhof genutzte "alte Spritzenhaus".


Bis zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr (FF) war der Brandschutz in Weltersburg als Pflichtfeuerwehr organisiert, die sich aus allen männlichen Dorfbewohnern zwischen dem 18. und 60. Lebensjahr zusammensetzte, und in unregelmäßigen Abständen Übungen durchführte. Der Leiter dieser Pflichtfeuerwehr, er führte die Bezeichnung "Kommandant", war bis zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Berthold Weber.
TSA, Beispielfoto (Quelle: Feuerwehr-Rust.de)

An Geräten waren damals nur ein Standrohr, einige Schläuche und Stahlhelme sowie der einachsige Schlauchwagen vorhanden. Der Brand einer Feldscheune Ende 1962 war Anlass für erste Gespräche über die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr. Am 23. Januar 1963 trafen sich Bürgermeister Alfred Schneider und Kreisbrandinspekteur Popp aus Hachenburg mit 21 Männern des Dorfes zur Gründungsversammlung in der Gaststätte Munsch. Zum ersten Wehrführer wählte die Versammlung Josef Schmidt, der das Amt bis 1969 begleitete. Im August 1963 erhielt die Feuerwehr einen einachsigen TSA (Tragkraftspritzenanhänger), der von einem Traktor gezogen wurde. Die Kosten für die Anschaffung übernahm die Ortsgemeinde. Die Gründungsmitglieder waren:
Alfred Schneider, Josef Schmidt, Josef Göbel I., Berthold Weber, Erich Müller, Josef Sturm, Wolfgang Schäfer, Willibald Ortseifer, Heinz Wüst, Alois Schui, Erwin Sturm, Berni Sturm, Dieter Schäfer, Josef Schilling, Alfons Munsch, Anton Sado, Alois Hannappel, Manfred Hannappel, Rüdiger Hammer, Rudi Holzbach und Rudi Sturm.




1969 wurde Berthold Weber, der in den 60'ern bereits der Pflichtfeuerwehr vorstand, neuer Wehrführer der FF und leitete die Wehr auch im Jubiläumsjahr 1988. Vom 24. bis 26. Juni 1988 feierte die Freiwillige Feuerwehr und ihr Musikverein das 25-jährige Bestehen. „Welches kleine Dorf kann sich eine Feuerwehr und eine Hauskapelle leisten?“ fragte der damalige Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes, Hans Schmidt, beim Festkommers. Alle Weltersburger waren an den drei Tagen der Feierlichkeiten auf den Beinen, der Ort platzte nach dem Festzug, an dem 43 Wehren und Musikvereine teilnahmen, förmlich aus allen Nähten.





Berthold Weber (Wehrführer 1969 - 1989) 

Die Einsatzabteilung im Jubiläumsjahr 1988 (von links): Karl Dasbach, Bruno Steinebach, Thomas Sturm, Rudi Holzbach, Johannes Schui, Gerd Holzbach, Rudi Sturm, Hubert Antweiler, Manfred Hannappel, Berthold Weber (Wehrführer), Michael Dasbach, Ottmar Flügel (stellv. Wehrführer), Hubert Benten, Martin Munsch, Markus Sturm.
Auf dem Foto fehlen: Klaus Gläser, Ewald Habel, Peter Kaiser, Günther Kettler, Heinz Schoenauer jr., Werner Schui, Christoph Weber
  
Die bis dahin der Ortsgemeinde unterstehende Freiwillige Feuerwehr wurde 1975 in den Verantwortungsbereich der Verbandsgemeinde Westerburg übernommen. Im August 1981 erhielt die Wehr erstmalig ein (gebrauchtes) Feuerwehrauto und musste fortan nicht mehr mit einem Traktor zum Einsatz fahren. Es handelte sich um TSF-Tr auf einem VW T1 (Bulli), Baujahr 1960, welches von der Nachbarwehr aus Girkenroth übernommen wurde. 

Im Jahr 1987 wurden die Weltersburger von der Verbandsgemeinde mit zwei Atemschutzgeräten (Pressluftatmer) ausgestattet. Eine Spende der Familie Ute & Philipp Wienand, den damaligen Besitzern des Alten- und Pflegeheims "Haus Welterswald", machten wenige Jahre später eine Aufstockung auf 4 Atemschutzgeräte möglich. Die Einsatzabteilung verfügte in den Achtzigern über 24 Feuerwehrmänner.
Im November 1987 konnte mit dem Bau eines neuen Feuerwehrhauses begonnen werden. Im Mai 1989 wurde das neue Gerätehaus feierlich eingeweiht. Außerdem erhielt die Wehr ein neues Tragkraftspritzenfahrzeug Ford Transit, da das alte Feuerwehrauto aus dem Jahr 1960 nicht mehr verkehrstüchtig und auch nicht mehr zeitgemäß war.











        TSF-Tr (Quelle: FF Girkenroth)


Im November 1989 wurde Berthold Weber, der bis zu seinem  60. Geburtstag die Wehr leitete, aus dem aktiven Dienst verabschiedet. Gerd Holzbach wurde auf Vorschlag der Wehr und der Ortsgemeinde zum neuen Wehrführer gewählt. Jährlich absolvieren die Floriansjünger Brand- und Atemschutzlehrgänge und erreichen regelmäßig ihre Leistungsabzeichen in Bronze, Silber oder Gold.

Gründung der Jugendfeuerwehr

Seit Anfang des Jahres 1995 gingen zwölf Jungen und drei Mädchen ihrem Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr nach. Mit der Gründungsfeier der Jugendfeuerwehr am 14. und 15. Juni 1997 wurden die Jugendlichen offiziell aufgenommen. Schirmherr Philipp Wienand überreichte einen Wimpel als Geschenk für die Jugendlichen. Neben der feuerwehrtechnischen Ausbildung in Theorie und Praxis stehen bei der Jugendfeuerwehr Spiel und Spaß im Vordergrund. Besonders hervorzuheben ist das Ausrichten einer Großübung aller Jugendwehren der Verbandsgemeinde Westerburg im Jahr 1998.



 Fahnenweihe

Am Gründungstag der Jugendfeuerwehr (14./15. Juni 1997) erhielt auch die Freiwillige Feuerwehr Weltersburg durch den Schirmherrn Pilipp Wienand  eine Feuerwehrfahne. „Wenn Feuerwehren bei Umzügen und Festen in Uniform und mit einer Fahne durch die Straßen ziehen, wollen wir Geschlossenheit demonstrieren und deutlich machen, dass uns die Zugehörigkeit zu einer Feuerwehr über Gemeinde- und Landesgrenzen hinweg verbindet“, erläuterte Wehrführer Gerd Holzbach das Tragen einer Feuerwehrfahne.
Die Weltersburger haben sich „Bereitschaft und Mut, schütz Menschen Hab` und Gut“ auf ihre Fahne geschrieben, dazu das Gründungsjahr 1963.

 







50 Jahre Freiwillige Feuerwehr Weltersburg (07. - 09. Juni 2013)

 

Im Jahr 2013 konnte die Weltersburger Feuerwehr ihr 50-jähriges Bestehen feiern. Am Sonntag 09. Juni wurde in Weltersburg gleichzeitig der Kreisfeuerwehrtag des Westerwaldkreises ausgetragen.  Die Wehr hatte im Jubiläumsjahr 23 aktive Mitglieder.

 

 FF Weltersburg im Jubiläumsjahr 2013



Die Mitglieder der Altersabteilung im Jubiläumsjahr 2013 (v.l.):

Karl Dasbach, Ottmar Flügel, Manfred Hannappel, Rudi Holzbach, Bruno Steinebach, Hubert Antweiler

nicht abgebildet: Karl Göbel, Günther Kettler, Berthold Weber